Sonntag, 05. Mai 2019

Bitte, was - Arbeit statt Freizeit?

geschrieben von 

Ich muss nicht sagen, wofür sich jemand entscheidet, oder?

Ein MAXIMAL-Artikel

  • von: Finn Hannon

Diese Entscheidung ist für die meisten vermutlich schnell gefällt. Sobald das Wort Arbeit jedoch gegen Praktikum getauscht wird, hören Schüler schon genauer hin. Ich habe genauer hingehört und meine eigenen Erfahrungen gesammelt.

Wenn man sich nach Praktikumsplätzen umschaut, ist es nicht so einfach, Unternehmen zu finden, die einem Schüler ein Praktikum anbieten. Ich habe lange nach einem geeigneten Unternehmen gesucht, zahlreiche gefunden, doch keines wollte Schülerpraktikanten einen Platz bieten. Schlussendlich habe ich ein Unternehmen gefunden, das Schülern ein Praktikum ermöglicht.

Ich suchte meine Unterlagen wie Zeugnisse, Urkunden und Dokumente zusammen, baute mir einen Lebenslauf und schrieb ein Bewerbungsschreiben an den Geschäftsführer des Unternehmens. Alles beisammen, verpackte ich die Dokumente in eine zip-Datei und schrieb eine kurze E-Mail, in der ich meine Unterlagen als Anhang hinterließ. Meine E-Mail noch einmal kurz überflogen, durchgeatmet und auf „Senden“ gedrückt. Puh! Der nächste Schritt war Warten. Mir kam es sehr lange vor. Eine Woche später erreichte mich eine E-Mail des Geschäftsinhabers, in der er schrieb, mich gerne zu einem Gespräch treffen zu wollen. Wenn man ein solches Erlebnis noch nicht durchgemacht hat, kann man sich nicht vorstellen, wie erleichtert man danach ist. Kaum zu Hause angekommen, fing ich auch schon an, mir eine Bewerbungsmappe zu erstellen, in der ich alle meine Dokumente ausdruckte und einordnete. Außer meinem letzten Zeugnis, legte ich noch eigene Fotografien und Zeichnungen von mir dazu, da ich mich bei einer Agentur für digitale Markenführung bewarb. Also eine Firma, die andere Unternehmen auf Flyern, im Internet usw. gut aussehen zu lassen versucht. Dann wühlte ich noch in meinem Kleiderschrank nach angemessenen Klamotten und wartete ab, bis es soweit war.

Am Tag des Vorstellungsgesprächs machte ich mich etwas früher auf den Weg als nötig, da mir von mehreren Seiten aus versichert wurde: Lieber zu früh vor der Tür warten, als zu spät zum Termin zu erscheinen. Ankommen stand ich nun vor der Eingangstür. Einatmen, ausatmen. Ich betätigte die Klingel. Alles war still, selbst den Feierabendbetrieb auf der Straße blendete ich vollends aus, als ich darauf wartete, dass es surrte und ich durch die Tür in das Gebäude treten konnte. Die Tür des Büros wurde mir geöffnet und eine Mitarbeiterin bat mich, mich zu setzten, bis der Chef käme, um sich mit mir zu unterhalten. Wieder warten. Ich muss sagen, die Nervosität, die in einem aufsteigt, geht einem eindeutig auf die Psyche. Nach kurzem Warten kam der Chef und führte mich in sein Büro. Er nahm mir meine Unterlagen ab und bot mir einen Sitz an. 10 Minuten und unzählige Fragen über unsere Schule später, konnte ich wieder gehen, das Praktikum in der Tasche.

Am ersten Tag des Praktikums setzte ich mich morgens um 7:20 Uhr (wohlgemerkt in den FERIEN) in die Bahn und gondelte so über eine Stunde lang bis nach Mannheim und machte mich zu Fuß gemütlich weiter bis zur Agentur. Dort angekommen, wurde ich kurz eingewiesen. Dann bekam ich die Aufgabe, eine Visitenkarte zu entwerfen. Damit beschäftigte ich mich also den Vormittag lang, bis ich Pause hatte. Ich durfte mich zu den anderen Mitarbeitern setzen und wir aßen zusammen, bis es weiterging. An meinem Arbeitsplatz vor einer großen Fensterfront experimentierte ich mit den Adobe Programmen, Photoshop, InDesign und Illustrator, bis ich gut damit arbeiten konnte.

Der nächste Tag: Dieses Mal konnte ich bei vielen Besprechungen zuhören und mich mit den Webseiten befassen, die der Firma in Auftrag gegeben wurden. Zudem konnte ich einen Einblick in eine kleine Druckerei erhaschen, als der Chef mit mir Probeausdrücke von Flyern abholte, die um Mitarbeiter warben. Der dritte Tag: Da ich ein wenig früher ankam konnte ich mich ein wenig mit der „uninteressanten“ Arbeit bekannt machen, d. h. Kontakte pflegen und sich stundenlang im Internet auf die Suche nach Eventagenturen machen. Aber nach der Arbeit kommt ja das Vergnügen, deshalb konnte ich bei einem Fototermin von Anwälten zuschauen und mich mit dem Fotografen unterhalten. Da ich mich für die Fotografie begeistere, war dies ideal für mich, da ich ein paar Dinge dazulernen konnte. An den beiden letzten Tagen des Praktikums befasste ich mich weiter mit Webseiten, PowerPoint, Photoshop usw.

Trotz des frühen Aufstehens in den Ferien, habe ich als Langschläfer das Praktikum nicht bereut. Es hat mir Spaß gemacht, ich habe interessante neue Dinge gelernt und auf jeden Fall einen Beruf kenngelernt, bei dem ich mir vorstellen könnte, diesen nach der Schule auszuüben. Ich glaube, ein Praktikum ist dann sinnvoll, wenn man sich eine Stelle sucht, bei der man etwas zu tun hat, das Spaß macht. Z. B. sollte ein/e Schüler/in, der/die nicht gerne an einem Schreibtisch sitzt und am Computer arbeitet, sich nicht für ein solches Praktikum entscheiden. Lieber sollte diese/r sich z. B. ein handwerkliches Praktikum suchen, wie bei einem lokalen Schreiner, Tischler o. Ä. Auch kann ich jedem empfehlen, sich im Voraus über die Tätigkeiten während des Praktikums beim Unternehmen zu erkunden, damit man dann nichts anderes macht als Dokumente und Unterlagen zu sortieren und einzulochen. ;)

Danke Herr Reinshagen und allen bei Reinshagen & Hartung!

Über das Unternehmen: Die Reinshagen & Hartung GmbH ist eine Agentur für digitale Markenführung in Mannheim. Das Unternehmen wurde 2003 vom Geschäftsführer Marc Reinshagen gegründet. Das Büro ist ein moderner Neubau, dass sich Reinshagen & Hartung mit anderen Agenturen und einer Kindertagesstätte teilt. Die Agentur besteht aus einem Großraumbüro und vier einzelnen Büros. Außerdem hat das Unternehmen seine eigenen Bienen auf ihrem Innenhofbalkon.

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